#1000malWillkommen: Setze ein Zeichen für Gastfreundschaft und gegen Fremdenhass

Das ist ein Herzliches Willkommen an alle Flüchtlinge die nach Deutschland gekommen sind um hier Schutz, Sicherheit, Frieden und eine neue Zukunftsperspektive zu finden. Ich freue mich über jeden einzelnen, der es hier her schafft, denn es heißt er ist nicht auf seinem gefährlichen Weg gestorben. Jedes Menschenleben ist es wert geschützt zu werden. Jeder Mensch hat es verdient in Sicherheit zu leben und zuversichtlich in seine Zukunft schauen zu dürfen. Mit diesem Foto beteilige ich mich an der Aktion #1000malWillkommen die Bloggerkollege Lutz ins Leben gerufen hat. Warum mir dieses Zeichen für mehr Gastfreundschaft am Herzen liegt erfährst du in diesem Artikel.

Sprachlosigkeit durchbrechen

Dieser Artikel wartet mittlerweile mindestens drei Wochen darauf fertig gestellt zu werden. Immer wieder fange ich an, schreibe ihn um und komme nicht weiter. Ich beginne Nachrichten zu schauen, Artikel zu lesen und werde fassungslos und sprachlos über die derzeitige Flüchtlingssituation weltweit. Für viele scheint es dann einfach zu sein, ihre Gedanken niederzuschreiben, ich kann gerade nur schwer in Worte fassen was in mir vorgeht. Ehrlich gesagt, es gelingt mir nicht. Und somit habe ich den Artikel lange vertagt und bin leise geblieben. Doch genau das will ich nicht mehr. Gerade als Reiseblogger halte ich es für wichtig meine Sprachlosigkeit zu durchbrechen und Position zu beziehen.

Fremdenhass darf nicht das Bild bestimmen

Die Flüchtlingssituation ist derzeit allgegenwärtig in den Nachrichten und vor Ort in den Flüchtlingsunterkünften. Viele Menschen verlassen ihre Heimat um Krieg, Hunger, Unterdrückung und Perspektivlosigkeit zu entkommen. Sie geben ihr Geld und vor allem ihr Leben in Hände von Schleppern, die sie in viel zu voll bepackte Boote über den Ozean nach Europa schicken. Viele kommen über den Landweg von Grenze zu Grenze bis nach Deutschland. Viel zu viele von ihnen verlieren auf dem Fluchtweg ihr Leben.

Und was passiert wenn sie in Deutschland ankommen? Sie werden erneut angegriffen, mit Beschimpfungen und roher Gewalt. Ich schäme mich, dass so viele Menschen in Deutschland im Internet über Flüchtlinge herziehen. Es macht mir Angst, wie leichtsinnig mit boshaften Worten über das Leben von Menschen geurteilt wird. Pauschal werden Flüchtlinge als „Schmarotzer“ abgestempelt, die „allesamt vergast“ gehören. Flüchtlingsheime brennen und Menschen die für den Schutz von Flüchtlingen einstehen, erhalten Morddrohungen. HALLO! In was für einem Land leben wir eigentlich? Ich kann nicht glauben, dass es so viele Menschen gibt, die aus der deutschen Geschichte nichts gelernt haben, die so dumm sind und glauben mit Hass und Terroranschlägen auf Flüchtlingsheime unserer Gesellschaft einen Gefallen zu tun. Ich schäme mich für jeden einzelnen dieser besorgten Wutbürger. Ihr Fremdenhass kotzt mich an.

Stellt euch vor, in eurem Land ist Krieg

In Deutschland, dem Land in dem ich geboren wurde und immer noch lebe ist kein Krieg. Ich muss mir keine Sorgen um meine Familie, meine Freunde und mein Leben machen. Ich weiß, alle sind sicher. Jeden Tag gehe ich aus dem Haus und weiß, dass ich am Abend wiederkommen werde und es immer noch steht. Krieg kenne ich nur aus den Nachrichten und aus Geschichtsbüchern. Und dafür bin ich sehr dankbar, denn ich glaube, dass ich am Krieg zerbrechen würde. Ich kann es mir nicht vorstellen in ständiger Angst zu leben. Angst um mein Leben und das meiner Familie und Freunde haben zu müssen. Wäre in dem Land in dem ich lebe Krieg, ich würde meine Familie schnappen und abhauen. Vor allem wenn ich Kinder hätte, denn ich glaube das bei Kinderherzen die Wunden die ein Krieg verursacht noch viel weniger heilen als bei Erwachsenen.

Statt lauthals zu verlangen dass Kriege beendet werden, fordern manche Menschen die Kriegsflüchlinge abzuwehren aus Angst vor Veränderung. Das ist ungeheuerlich. Es ist nicht die Schuld der Zivilisten, dass Krieg in ihren Ländern herrscht, doch sie sind die Leidtragenden. Jeder würde in so einer Situation zum Flüchtling werden und dadurch Hilfe von jenen benötigen die in Sicherheit leben.

Stellt euch vor, ihr habt keine Zukunft

Als die Menschen in Europa Hunger litten oder zu wenig Zukunftsperspektive sahen, haben sie sich auf den Weg gemacht in die neue Welt. Mein Vater hatte zu mir damals gesagt er fahre nach Amerika, wenn er mit dem Traktor zum Pflügen gefahren ist. Gemeint hat er ein Feld das in einer Gegend liegt, wo früher die Menschen auf ein Boot gestiegen sind um sich auf den Weg nach Amerika zu machen. Auswandern ist selbstverständlich, wenn wir es tun. Doch anderen Menschen wollen wir es verwehren ihre Zukunft in die Hand zu nehmen und sich auf die Reise in ein besseres Leben zu begeben.

Statt darüber zu schimpfen, dass angeblich alle zu uns kommen um uns auf der Tasche zu liegen, könnten wir auch einfach mal unsere Sichtweise ändern. In unserem Land muss niemand Hunger haben, unsere Regierung ist nicht korrupt und bereichert sich auf unsere Kosten, unsere Kinder dürfen in die Schule gehen, jeder kann hier eine Berufsausbildung oder ein Studium machen, egal ob Mann oder Frau, die meisten von uns haben eine Arbeit, jeder hat eine Chance auf eine gute Zukunft.  Dürfen wir all das anderen Menschen verwehren? Es geht nicht darum, alle Flüchtlinge aufzunehmen und sie durchzufüttern. Es geht darum diesen Menschen unvoreingenommen eine Chance zu geben, ob sie diese Chance ergreifen und etwas daraus machen, liegt bei jedem einzelnen von ihnen.

Aus meiner Sicht müssen wir aufhören von guten und von schlechten Ausländern zu sprechen. Es darf nicht sein, dass wir pauschal Wirtschaftsflüchtlinge als Schmarotzer abstempeln. Es ist jedem Menschen inne, das Beste aus seinem Leben zu machen, seinen Kindern eine Zukunftsperspektive zu geben. Und das kann jeder Mensch nur mit der Bereitschaft dafür zu arbeiten. Auf Dauer möchte niemand in einem engen Flüchtlingsheim leben und etwas Taschengeld bekommen. Wer gibt uns das Recht anderen Menschen ihre Chance auf ein besseres Leben zu verwehren?

Flüchtlinge sind unsere Gäste. Gastfreundschaft muss für uns selbstverständlich sein

Ein irisches Sprichwort sagt, „Ein Fremder ist ein Freund, den du noch nicht kennst.“ Ich mag diese Einstellung, den sie ist positiv und zeigt Offenheit. Ich glaube daran, dass die Art und Weise wie Menschen ihre Gäste behandeln sehr viel über das Land aussagen.

Als Reisender ist man oft in anderen Ländern unterwegs, auch in Ländern die vergleichsweise ärmer sind. Wenn wir reisen sind wir Fremde. Als Deutsche habe ich im Ausland gelernt was Gastfreundschaft bedeutet.  Damals als ich alleine mit dem Fahrrad durch Irland gereist bin und von vielen Einheimischen in ihr Haus eingeladen wurde. Vor kurzem in Neuseeland, als mir stets ehrliches Interesse und Freundlichkeit begenet ist. Viele haben ihre letzten Brocken Deutsch ausgepackt, um mich zu begrüßen, haben mir eine gute Zeit und sichere Reise gewünscht. Immer habe ich dabei gedacht, warum auch wir Deutschen nicht freundlich und offen unseren Gästen gegenüber sein können. Auch Jen und Peter von Glaarkshaus haben eindrucksvoll erfahren was Gastfreundschaft bedeutet, Auf ihre Frage nach dem Warum haben sie immer wieder die folgende Antwort bekommen: „Weil ihr Fremde seid. Und weil ihr Gäste in unserem Land seid.“

Und genau so einfach ist es. Jeder Gast in unserem Land sollte sich willkommen fühlen. Besonders wenn er wie die Flüchtlinge so viel durchgemacht hat. Jeder Gast sollte gut behandelt werden, auch wenn er uneingeladen kommt. Jedem Gast sollte sein Aufenthalt so angenehm wie möglich gemacht werden. Jedem Gast sollten wir helfen, wenn er in Not ist. Denn es sagt viel aus über ein Land und seine Einwohner. Ich wünsche mir, dass ein reiches Land wie Deutschland Gastfreundschaft lebt. Das wir Hände reichen, den Menschen zulächeln und uneingeschränkt Herzlich Willkommen sagen. Das wir dankbar sind, dass wir in einem Land leben dürfen, dass für Flüchtlinge attraktiv ist. Nicht weil es Taschengeld gibt, sondern weil es sicher ist und weil es hilfsbereite Menschen gibt, die bereit sind zu teilen.

Es freut mich sehr, dass wir auf einem sehr guten Weg sind. Die derzeitige Willkommenskultur und Hilfsbereitschaft ist großartig. Ich wohne in München und finde es wundervoll was in dieser Stadt gerade passiert. Schon seit Monaten kommen Flüchtlinge nach München doch nicht so viele auf einmal wie in den letzten Tagen. Und die Einwohner mobilisieren sich eigeninitiativ um zu helfen. Stellen sich als ehrenamtliche Helfer am Hauptbahnhof und den Ersteinrichtungen zur Verfügung und bringen Essen und Sachspenden zu den erschöpften Menschen. Es sind so viele die helfen wollen, dass die Lager überfüllt und die Helferlisten voll sind. Immer häufiger heißt es Annahmestopp für Spenden und das ist einfach fantastisch. Heute bestimmt Gastfreunschaft das Bild. Die Menschen sind laut geworden für Flüchtlinge, sie stehen auf, spenden großzügig, sie buhen Rechtsradikale aus und zeigen unmissverständlich, dass Flüchtlinge willkommen sind. Vielen herzlichen Dank an alle gastfreundlichen und hilfsbereiten Menschen in Europa.

So machst du mit bei #1000MalWillkommen

Wenn auch du dich an der Aktion #10000malWillkommen beteiligen möchte, schnapp dir einfach ein Schild mit deinem Willkommensgruß, mach ein Foto von dir mit dem Schild und schicke es über die Website von #1000malWillkommen ein. Dazu findest du oben in der Navigation den Punkt „Deine Bilder einschicken“.

Und noch viel wichtiger, zeige immer und überall deine Gastfreundschaft. Jetzt und auch in Zukunft. Schon ein Lächeln kann viel helfen.

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