[Blogparade] Der Soundtrack meiner Reisen

Es gibt viele Impulse, die Reiseerinnerungen in uns wach rufen. Ein Bild, ein Geruch, ein Geräusch und ganz besonders Musik. Es gibt unzählige Songs, die ich mit einer meiner Reisen verbinde. Im Rahmen der Blogparade „Musikalische Erinnerungen“ von Reisezoom habe ich dir den Soundtrack meiner Reise zusammengestellt und erzähle dir die Geschichte hinter den Songs.

Camarguepferde retten mit Clint Eastwood (Gorillaz)

Sommer 2002. In den Semesterferien fuhren meine beste Freundin und ich mit ihrem roten Corsa von Stuttgart in die Camargue zum Campingurlaub. Um das Geld für die Autobahnen zu sparen gurkten wir über die französischen Landstraßen. Wir hatten Sommerlaune, fuhren mit offenen Fenstern und hörten Musik. Ein Lied lief auf der langen Fahrt immer wieder: Clint Eastwood von den Gorillaz. Das Lied wurde zur Hymne unserer Frankreichreise. Auch heute noch, immer wenn ich die ersten Töne von Clint Eastwood höre, sitze ich mit meiner besten Freundin in ihrem roten Corsa. Das Lied ist nicht nur zu einer Erinnerung an meine Camargue Reise sondern auch an einen ganz besonderen Menschen geworden. Dafür liebe ich das Lied bis heute.

Eine musikalische Radreise durch Irland

2003 war ich drei Monate alleine mit dem Fahrrad in Irland unterwegs. Mit meiner Reise auf der grünen Insel verbinden mich gleich mehrere Lieder. Hier sind die Geschichten dazu.

A Song for Ireland (Luke Kelly)

Es war am Anfang meiner Reise. Ich war noch unerfahren und unsicher, was das Radreisen angeht, vor allem alleine. Am dritten oder vierten Tag habe ich hinter einem Pub gezeltet und dabei Sean kennengelernt. Er hatte mich für den nächsten Tag gleich zum Frühstück eingeladen. Am Ende meiner Reise war ich nochmals ein paar Tage bei ihm und seiner Frau. „Kennst du A Song for Ireland“, hatte er mich damals gefragt. Ich schüttelte den Kopf und er spielte mir das Lied, gesungen von Luke Kelly, vor. Es war so wunderschön. Manchmal, wenn ich an einem besonders schönen Fleck Erde bin oder mich einfach glücklich fühle, beginne ich den Refrain von A Song for Ireland zu singen. Mehrfach geschehen in Neuseeland.

If I were a Blackbird

Eine ganze Woche habe ich in einem Hostel auf Achill Island verbracht. Jeden Abend saßen wir bis spät in die Nacht bei Livemusik im Pub. Es war nicht wichtig, ob du Geld hattest oder erfolgreich warst. Es war nur wichtig, ob du ein Lied singen oder ein Instrument spielen konntest. Eine Frau aus Deutschland, die wie ich alleine durch Irland reiste, hatte If I were a blackbird gesunden. Es ist ein schottisches Volkslied, traurig und wunderschön. Bis heute habe ich keine Version gefunden die so gut war wie die, die ich damals auf Achill Island gehört hatte.

Die Gedanken sind frei

Und dann gab es in dem Pub auf Achill Island Menschen wie mich, die kein Instrument spielen konnten und sich auch nicht getraut haben etwas zu singen. Doch als der Wunsch nach einem deutschen Volkslied aufkam, haben wir „Die Gedanken sind frei“ gesunden.

Schüchtern wie ich war, habe ich mich hinterher bei dem irischen Musiker entschuldigt, dass unsere Volksmusik nicht so gut wie die irische sei. Ich sagte ihm, dass ich deutsche Volksmusik nicht mag. Du glaubst gar nicht, wie rund er mich gemacht hat, dass ich so über die Musik hergezogen bin. Er war richtig verärgert, schaute mich streng an und empfahl mir, mich mit deutscher Volksmusik zu beschäftigen, er kenne sie und sie sei wundervoll. Du kannst dir nicht vorstellen, wie beschämt ich war.

An diesem Abend hatte ich die deutsche Volksmusik aus der Musikantenstadl-Schublade befreit. Jede Volksmusik ist Teil der Kultur eines Landes, sie erzählt Geschichten und zeigt auf was die Menschen bewegt und was wichtig ist. Volksmusik muss man nicht gut finden, aber man sollte sie respektieren und sich trauen hinter die Texte und Töne zu blicken. Das habe ich in Irland gelernt. Heute mag ich „Die Gedanken sind frei“ sehr gerne.

I will remember you (Sarah McLachlan)

Achtung, jetzt wird es persönlich. Auf der Dingle Peninsula habe ich Keith kennengelernt, ein irischer Student, der in den Ferien im Hostel gearbeitet hat. Du kannst es dir schon denken, wir hatten eine kleine Liaison. Keith war entsetzt als er hörte, dass ich, obwohl schon einige Wochen in Irland, noch nicht im Meer schwimmen gewesen bin. Du musst wissen, dass ich nicht die beste Schwimmerin bin und daher einen Heidenrespekt vor dem alleine schwimmen im Meer hatte. Keith hatte mir die schönsten Buchten auf Dingle gezeigt und ich habe meine Angst vor dem Schwimmen im Meer überwunden. Danach hatte ich mich sogar alleine getraut, auch wenn ich nach wie vor immer in Küstennähe bleibe.

Und was hat das alles mit I will remember you zu tun? Das Lied hatte ich am Abend meines ersten Schwimmerfolges im Pub gehört. Wenn ich das Lied heute höre, erinnere ich mich immer daran, wie stark mich diese Reise gemacht hat und an die Menschen, die dazu beigetragen haben.

Om Mani Padme Hum, mein musikalisches Mantra in Nepal

Es hatte mich erwischt, Magen-Darm beim Trekking in Nepal. An dem Tag nach meiner Horrornacht schleppte ich mich nach Namche Bazaar. Zum Glück ging es mir am nächsten Tag schon wieder besser, so dass ich an unserem Ruhetag durch die Gassen des Dorfes schlendern konnte. In der Haupteinkaufsgasse dudelte überall Om Mani Padme Hum. Die ganze Zeit, überall, Om Mani Padme Hum.

In Kathmandu hatte ich mir zwei CDs mit nepalesischer Musik gekauft, natürlich war Om Mani Padme Hum dabei. Ich höre das Lied übrigens gerne bei der Arbeit, meist wenn ich gestresst oder genervt bin. Das Lied bringt mich dann zurück nach Nepal. Danach ist jede Anspannung und jeder Ärger verflogen.

Mit Ed Sheeran durch Mittelerde

Ok, das ist jetzt etwas kitschig. Auf meinem Roadtrip durch Neuseeland hörte ich das Titellied vom zweiten Hobbitfilm öfter auf Dauerschleife. Ich mag das Lied und gerade in Neuseeland fühlte es sich so gut an es zu hören. Immer und immer wieder, manchmal bin ich stundenlang mit Ed Sheeran durch Mittelerde gefahren. Und immer im Refrain habe ich lauthals eingestimmt: „I see fire, inside the mountains, I see fire, burning the trees. […] I hope that you remember me.“

Welche Lieder verbindest du mit Reiseerinnerungen? Ich freue mich über die Geschichte zu deinem Reisesoundtrack in den Kommentaren.

6 Kommentare zu “[Blogparade] Der Soundtrack meiner Reisen

  1. Annika

    Vor allem hast Du mich an meine erste Irland-Reise erinnert (1994). Ich war 18, alleine unterwegs und bin damals viel länger als geplant in einem kleinen Hostel auf Achill Island geblieben und habe die Abende im Pub verbracht, wo immer Musik gemacht wurde. Ein deutscher „Mitbewohner“ sang „Es geht eine dunkle Wolke herein“ in einer bezaubernd schlichten Fassung zu leiser Gitarre. Ich fand deutsche Volkslieder immer doof—und habe mich anschließend damit beschäftigt woher dieses Lied stammt. Ich bin damals eine Woche mit dem Fahrrad durch Connemara gefahren, war ziemlich nervös, weil ich gar kein englisch konnte und noch nie alleine Urlaub gemacht hatte, schon gar nicht mit Fahrrad. Nach den drei Wochen im Land war ich irgendwie ein bisschen anders. Ich konnte viel besser englisch und ich wusste, dass ich klarkommen kann. Das war schön und begleitet mich heute noch auf meinen Reisen.
    Naja, kam gerade einiges wieder hoch :-) Danke.

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    • Sonya Schlenk Author des Beitrags

      Liebe Annika, es freut mich sehr, dass mein Soundtrack Reiseerinnerungen bei dir geweckt hat.
      Total lustig, dass du auf Achill Island eine ähnliche Erfahrung wie ich gemacht hast. Wäre verrückt, wenn es das gleiche Hostel war.
      Ich kann total gut nachvollziehen was du meinst, wenn du schreibst, dass du anders geworden bist. Reisen verändert, macht stark und lässt das Vertrauen in sich selbst wachsen, gerade wenn man alleine unterwegs ist. Vielen Dank, dass du deine musikalische Erinnerung mit mir geteilt hast.

      Antwort
  2. Marc

    Huiii, was für ein Monsterbeitrag – absolut toll. Und ja, alleine reisen ist echt etwas ganz besonderes. Dabei lernt man einfach mehr Leute kennen, das bringt soo wahnsinnig viel. Sollte ich vielleicht auch mal wieder machen :)

    Danke für die tollen Einblicke!

    Liebe Grüße,
    Marc

    Antwort
    • Sonya Schlenk Author des Beitrags

      Vielen Dank an dich für die tolle Blogparade.
      Ich bin ein sehr großer Fan von Soloreisen und von gemeinsamen Reisen mit Partner/Freunden/Familie. Es ist toll, wenn man beides leben kann. Mit Kindern wird das alleine verreisen wahrscheinlich schwieriger. Doch ja, mach das mal wieder. Es müssen ja nicht immer gleich drei Monate sein.

      Antwort
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