[Blogparade] Was bedeutet für mich Fernweh?

Es weht ein kühler Wind an diesem Abend in Neuseeland. Ich sitze eingepackt in Fleecejacke und Regenjacke auf meinem grünen Campingstuhl. Wenn ich meinen Blick vom Laptop hebe, schaue ich auf den Strand und das Meer. Ich bin in Orewa, einem Strandort nördlich von Auckland. Der Campingplatz liegt direkt am Orewa Beach und ich habe mir mit meinem Auto, dass ich Arataki getauft habe, einen Platz mit Meerblick gegönnt. Genau in diesem Augenblick empfinde ich weder Fern- noch Heimweh. Genau in diesem Augenblick spüre ich die wundervolle Zufriedenheit des Unterwegsseins, den Idealzustand des Reisenden. Bei neuseeländischem Pinot Noir, den ich stilecht aus einer roten Tasse mit weissen Punkten trinke, beginne ich über die Frage „Was bedeutet für mich Fernweh?“ zu philosophieren.

Die Frage hat Sabine vom Blog Ferngeweht im Rahmen ihrer Blogparade gestellt über die ich gerade dank Iron Blogger Kollegin Alexandra und ihrem wunderbaren Beitrag zur Blogparade gestolpert bin. Für Vielreisende wurde die Frage entsprechend erweitert. Ob man trotz der vielen Reisen überhaupt noch Fernweh empfinde oder die Rastlosigkeit ganz anders nennt. Na dann mal los, noch schnell etwas Wein nachschenken und die kühlen Finger anwärmen.

Kurz: Ich habe nie Fernweh 

Wenn ich ehrlich bin, empfinde ich kein Fernweh. Das liegt einfach daran, dass ich das Wort nicht mag. Es suggeriert, dass man nur in der Ferne seine Sehnsucht stillen kann und dass es ein schmerzhaftes Gefühl ist. Beides ist für mich nicht der Fall. Ich nenne es lieber Reiselust. In der englischen Sprache bedeutet Fernweh übersetzt Wanderlust. Auch dieses Wort, einfach wundervoll. Es ist eine Lust, eine wahre Freude unterwegs zu sein. Egal wohin, egal wie weit, egal wie lange. Einfach unterwegs zu sein, Neues entdecken und neue Wege zu gehen. Aber auch vermeintlich Bekanntes kann man immer wieder neu erfahren. Natürlich gibt es unglaublich viele Länder die man bereisen und unglaublich viele Gipfel, die man besteigen kann und doch empfindet man sie unterschiedlich je nachdem zu welcher Zeit man da ist. Der gleiche Ort in Nordschweden, einmal im Winter und einmal im Spätsommer gesehen, ein Unterschied wie Tag und Nacht. Der gleiche Gipfel, einmal im Nebel und einmal im Sonnenschein, beides mal hat sich der Aufstieg gelohnt, solange nur der Weg schön und vielleicht sogar eine Herausforderung ist.

Reiselust = Schmetterlinge im Bauch und Reisehummeln im Hintern

Reiselust ist wie verliebt sein, man hat dieses Kribbeln im Bauch. Das Herz schlägt schneller, wenn man Fotos von schönen Reisezielen sieht. Plötzlich hat man viele kleine Reisehummeln im Hintern und möchte sofort losfahren. Kurz vor der Reise dann plötzlich die Zweifel. Ist es wirklich das Richtige? Hat man an alles gedacht? Wird auch alles gut gehen? Und spätestens wenn man mitten drin ist weiß man, es war eine der besten Entscheidungen einfach loszufahren.
Meine Aussicht, während ich diesen Blogpost schreibe

Meine Aussicht, während ich diesen Blogpost schreibe

Spürt man Reiselust, muss man ihr nachgehen, sonst wird man unzufrieden. Und wenn man nicht immer in die Ferne reisen kann, hilft manchmal auch ein Ausflug in die nähere Umgebung. Bei mir ist es so, dass es sich immer wie Urlaub anfühlt, wenn ich irgendwo anders übernachte. Doch manchmal reicht Urlaub nicht, manchmal möchte man seine Reiselust ganz lange ausleben und eben doch ganz weit weg fahren, um ferne Länder zu entdecken. Deshalb hab ich mir eine viermonatige Auszeit gegönnt. Ich kann euch sagen, vor dieser Entscheidung war ich manchmal ziemlich unausstehlich im Job. Nachdem die Entscheidung gefallen ist, war ich wie verändert, viel ausgeglichener, viel souveräner, viel mehr ich. Das war eine schöne Erfahrung und ich habe über mich selbst gelernt, dass ich meiner Reiselust eine viel größere Priorität einräumen muss. Es geht mir einfach gut damit.

Reiselust = Flucht vor dem Alltag?

Ein Freund hat mich gefragt, vor was ich davon laufe als ich ihm von meiner Auszeitreise erzählt habe. Warum so weit weg, ans andere Ende der Welt? Für manche mag es eine Motivation sein, dem tristen Alltag oder dem grauen Wetter im eigenen Land zu entfliehen. Manche gehen auf Reisen um sich selbst zu finden. Ich nicht. Ich bin nicht auf der Flucht und ich muss mich auch nicht selbst finden. Ich will einfach nur etwas von der Welt sehen. Mit eigenen Sinnen erleben, das Land riechen, fühlen, hören, schmecken und sehen. Und weil ich gerne langsam reise, nehme ich mir gerne Zeit. Ganz Neuseeland in vier Wochen ist mir nicht genug.
Und so hat Reiselust auch manchmal etwas mit Egoismus zu tun. Ohne wenn und aber die Reise einfach durchzuziehen ohne darauf Rücksicht zu nehmen, was andere sagen oder denken. Und es bedeutet auch manchmal die Lieben zuhause zu lassen. Wer sich Reiseträume erfüllen möchte, muss ganz auf sein Herz hören und manchmal den Kopf einfach ausschalten. Das Schöne, die meisten bewundern einen für seine Reislust. Reiselust begeistert, egal ob man selbst verreist oder den Reiseerzählungen anderer lauscht.

Was bedeutet für dich Fernweh bzw. Reiselust? Ich freue mich über deine Gedanken in den Kommentaren.

10 Kommentare zu “[Blogparade] Was bedeutet für mich Fernweh?

    • Sonya Schlenk Author des Beitrags

      Du glaubst gar nicht wie froh ich war, als ich endlich Handyempfang hatte und den Post am Rande der Straße online stellen konnte. Hat Spaß gemacht ihn zu schreiben.

      Antwort
  1. Alexandra

    Sonya, was für ein wunderschöner Post, mir läuft es gerade eiskalt über den Rücken. Ich wünsche Dir noch eine ganz wunderbare Zeit beim Entdecken in Neuseeland, mit vielen einzigartigen Momenten und Begegnungen. Oder nur Du, Arataki und der Pinot Noir …

    Liebe Grüße aus dem grau-vernebelten München,
    Alexandra

    Antwort
  2. Yvi

    Liebe Sonya,
    wirklich toll be- und geschrieben! Mir geht es meist genau so: Erst totale Vorfreude, sofort los wollen, dann folgen die „bösen“ Zeifel und letztendlich erlebt man die geilste Zeit seines Lebens. Ach, wie freu ich mich schon wieder auf die nächste Reise :-D Dir weiterhin eine wundervole Zeit in Neuseeland und viele Grüße aus dem kalten Köln :-)

    Antwort
  3. Nick

    Hallo Sonya, habe beim lesen Deines Posts gerade auch einen virtuellen Becher Pinot Noir in der Hand gehalten (und das schon zur Mittagszeit). Sehr schön geschrieben. Danke für Deine Gedanken. Viele Grüße aus Hamburg

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