Castlecamp 2013 – Nicht nur für Touristiker ein Erlebnis.

Die Burg Kaprun öffnet die Tore für das Castlecamp

Tor auf für das Castlecamp

Das Castlecamp ist ein Touristik Barcamp im österreichischen Kaprun. Was ein Barcamp ist, hatte ich am Morgen des ersten Tages unseren Zimmernachbarn auf dem Balkon versucht zu erklären. Es ist eine Mitmachkonferenz. Jeder ist eingeladen etwas zu einem Thema zu erzählen, bei dem er sich gut auskennt oder zu dem er was wissen will. Jeder, der an solch einer Session teilnimmt, darf sich mit seinem Wissen beteiligen. Ich glaube, meine Erklärung war nicht allzu gut, zumindest sprach unser Nachbar von vielen Emotionen, Stehgreiftheater und davon, dass wir die Welt retten wollen. Nun ja, so ähnlich.

Beim nächsten Mal werde ich das besser erklären oder einfach dieses Video vorspielen.

Eine der Regeln eines Barcamps lautet, dass man darüber bloggen soll. Et voila.

Die Burg Kaprun, ein perfekter Ort für das Castlecamp

Burg Kaprun mit Burghof

Burg Kaprun mit Burghof

Kaprun ist in der Nähe von Zell am See im Salzburger Land. Die Hinfahrt von München war schon der Hammer, immer vorbei an eindrucksvollen Bergriesen. Von Kaprun hat man einen hervorragenden Blick auf das Kitzsteinhorn. Ich bin zum ersten Mal hier und frage mich warum. Die Gegend ist toll, die werde ich mir merken.

Die Burg Kaprun ist ein fantastischer Ort für ein Barcamp, etwas ganz Besonderes. Wie ich gelernt habe, kann die Burg nur bei den offiziellen Burgführungen oder bei einer Veranstaltung besichtigt werden. An diesem Wochenende haben wir die Burg exklusiv für uns. Ich mag die Steinmauern und die Kronleuchter im Inneren. Steckdosen sind Mangelware, aber das macht nichts. Es gibt einen großen Raum für die Sessionplanung und das Essen sowie drei Räume für die Sessions, zwei drinnen und einen im Burghof. Letzterer war dank hervorragendem Wetter und Sonnenschein ein sehr beliebter Ort.

Die Castlecamp Sessions

Wie bei jedem Barcamp findet die Sessionplanung gemeinsam statt. Was mich etwas wundert ist, dass so wenige Sessions vorgeschlagen werden. Es gab noch einige freie Slots. Auf der anderen Seite hatte es den Vorteil, dass man nicht zu viele gute Sessions verpasst hat.

Sessionplanung beim Castlecamp

Sessionplanung beim Castlecamp

Was für mich als Nicht-Touristikerin spannend war, es sind die gleichen Themen mit denen sich die Tourismusindustrie beschäftigt, Online-Marketing, gute User Experience, Suchmaschinenoptimierung (SEO) und Content. Das ist prima, da kann ich überall mitreden, auch wenn ich nicht aus der Branche bin. Ehrlich gesagt war das eine Befürchtung, die am ersten Abend beim gemeinsamen Essen im Auhof entstand. Alle scheinen sich hier zu kennen, fast alle haben was mit Tourismus zu tun und ich bin der Neuling und arbeite in einer Agentur für digiale Kommunikation an Projekten für Industriekunden. Meine anfängliche Skepsis ob ich hier überhaupt richtig bin, hatte sich jedoch sehr schnell gelegt. Die Herzlichkeit und Offenheit der Castlecamper, die sich schon liebevoll als Familie bezeichnen, haben dazu wesentlich beigetragen.

Iron Blogger im Tourismus?

Stefan Niemeyer möchte die Iron Blogger Tourismus gründen. Ein guter Grund mit ihm, Julia Jung und Stefanie Dehler eine Iron Bloggern Session im Burghof zu veranstalten um Konzept und Möglichkeiten für die Tourismusindustrie mit den Teilnehmern zu diskutieren. Ich selbst habe die Iron Blogger München gegründet, auch um mich zum bloggen zu motivieren und vor allem um mich mit Bloggern in und um München zu vernetzten.

Bei den Iron Bloggern verpflichten sich die teilnehmenden Bloggern jede Woche mindestens einen Blogartikel zu schreiben andernfalls zahlen sie fünf Euro in die Trinkkasse. Das gesammelte Geld wird bei gemeinsamen Treffen vertrunken. Hauptdiskussion war, ob die Iron Blogger Tourismus den Touristik Bloggern vorenthalten ist oder ob auch Reiseblogger mitmachen können. Ich selbst habe an diesem Tag erstmal gelernt, dass es da einen Unterschied gibt. Während ich ein großer Fan von Vernetzung bin und den Gedanken Reiseblogger und Touristiker zusammen zu bringen sehr charmant finde, scheint mir die Tendenz dahin zu gehen, erstmal den Fokus auf Tourismus und Tourismus-Marketing zu legen. Ich bin gespannt wie sich die Tourismus Iron Blogger entwickeln werden. Ich hoffe, das sie die Regel übernehmen, dass Iron Blogger anderer Gruppen bei Treffen mittrinken dürfen ;).

Reisejournalismus

Maria Kapeller vom Reisemagazin Kofferpacken.at lädt zur Diskussion über Reisejournalismus ein. Schnell wird es ein Gespräch über Journalismus versus Bloggen, Qualität versus authentischer Berichterstattung. Ich amüsiere mich etwas, das es dabei immer um die Qualitätsdiskussion geht. Ein interessanter Aspekt, Touristiker und vielleicht auch Journalisten dürfen nicht so ehrlich und positiv schreiben wie Blogger.

Klar wird, dass die Professionalisierung der (Reise-)Blogger weitergeht und es irgendwann schwierig sein kann eine Unterscheidung zum klassischen Auftragsjournalismus zu treffen. Es bleibt spannend. Schade fand ich, dass wir wenig auf die Inhalte an sich eingegangen sind. Wie man eine gute Reisereportage schreibt oder was es braucht gute Reiseerlebnisse zu beschreiben habe ich leider nicht gelernt.

Website-Klinik

Sehr interessant fand ich die Website-Klinik von Uwe Frers und Olaf Nitz. Jeder konnte seine Website nennen und wurde spontan von den beiden und den anderen Zuhörern auseinander genommen. Und ich sag euch, die waren streng. Da wurde jede Kleinigkeit gefunden. Selbstverständlich gab es auch jede Menge Tipps, was man verbessern kann. In der Session hab ich mich als Agenturmensch geoutet und wurde von Uwe auch gleich kräftig aufs Korn genommen, natürlich alles sehr lustig gemeint. Die Session hat mich auf jeden Fall auf Ideen für mögliche zukünftige Sessions gebracht.

Smart Content und Adaptive Content

Martin Soutschek hat eine sehr interessante und gut aufbereitete Session zum Thema Smart Content gehalten. Hintergrund ist, dass Inhalte auf immer mehr Endgeräten wie Laptop, Smartphone und Tablet angezeigt wird. Gleichzeitig wollen wir hilfreichen Content, der unseren Kontext versteht und uns die richtige Information am richtigen Ort zur richtigen Zeit anbietet. Guter Content ist nach seiner Aussage digital (eh klar), strukturiert, geografisch verortet, semantisch korrekt, erlebbar geschrieben, wiederverwendbar und anpassungsfähig (auf verschiedene Screengrößen). Qualitativer Content ist wichtig, macht aber viel Arbeit.

Seinen Vortrag beendet er mit dem Aufruf nicht so viel Energie in Suchmaschinenoptimierung (SEO) zu investieren und dabei das Wichtigste zu vergessen, dass Inhalte für den Nutzer sind und auf seine Bedürfnisse eingehen sollten. Leider wurde in der anschließenden Diskussion doch mehr über die Notwendigkeit von SEO gesprochen. Nun gut, wir lernen noch.

Inspiriert von dieser Session hat Olaf am darauffolgenden Tag einen Impulsvortrag zum Thema Adaptive Content gehalten. Wer sich dafür interessiert, die Folien gibt es auf Slideshare.

Kooperationen mit Reisebloggern

Klar, dieses Session von Günter Exel war ganz besonders interessant für mich frisch gebackene Reisebloggerin. Im Burghof diskutierten wir, was Touristikern eine Kooperation mit Reisebloggern bringt und worauf man achten sollte. Ich sag euch, das ist ein ziemlich spannendes Thema, von beiden Seiten. Die Touristiker interessieren sich dafür wie man den geeigneten Reiseblogger findet, wie man bewertet ob der Blog für die eignene Themen geeignet ist und wie man den Wert dieser Bloggerrelations messen kann. Reiseblogger wollen natürlich ernst genommen werden. Nichts ist ärgerlicher als ein Kooperationsangebot, dass so gar nicht zum Blog passt. Da es eine Diskussion war, kann ich nur noch Bruchteile wiedergeben. Wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchte, dem empfehle ich den Blog von Kristine Honig für die Touristiksicht und für die Reisebloggersicht den Blogpost Wonach Reiseblogger bei Kooperationen mit Tourismus-Partnern suchen als erste Anlaufstelle.

Und sonst so?

Whisky Tasting mit einem feinen Tröpfchen

Whisky Tasting mit einem feinen Tröpfchen

In der Retrospektive bin ich ganz erstaunt wieviele interessante und thematisch unterschiedliche Sessions ich besucht habe. Alle Sessions zu beschreiben würde den Umfang doch sprengen. Erwähnen möchte ich noch die Session Social Media Monitoring von Claudia Gunkel und die fantastische Whisky Tasting Session von Rainer Edlinger, einem der Organisatoren des Castlecamps. Den großartigen Auftritt der Russian Ice Divers am Samstag Abend. Und natürlich eine der besten Sessions des Castlecamps, die Outdoorsession von Stefanie Dehler (aka Gipfelglück), der ich einen ganzen Blogpost gewidmet habe.

Das Castlecamp ist kostenlos, dank der Sponsoren

Die Teilnahme am Castlecamp ist kostenlos, das ist großartig. Großartig ist auch die tolle Organisation von Christine und Rainer. So eine Veranstaltung zu Zweit aufzustellen und das seit mehreren Jahren ist eine große Leistung für die man sich gar nicht oft genug bedanken kann. Die Verpflegung mit Kaffee, Getränken, Frühstück und leckerem Mittagessen war ebenfalls kostenlos dank vieler Sponsoren, die das Castlecamp dieses Jahr unterstützt haben. Vielen Dank. Vielen Dank auch an die Burg Kaprun, die uns die Burgtore dieser tollen Lokalität geöffnet haben.

Mein Fazit und Feedback

Das Castlecamp hat mir sehr gut gefallen und ich möchte auf jeden Fall wiederkommen. Das nächste Mal vielleicht mit einem Tag mehr Zeit um die wundervolle Gegend um Kaprun anzuschauen. Wer im Tourismus tätig ist sollte sich das Castlecamp auf jeden Fall anschauen. Aber auch interessierte Nicht-Touristiker wie ich es bin, finden spannende Sessions und interessante Menschen von denen sie lernen können. Inspirationen und Ideen kommen, wenn man über den Tellerrand schaut. Ein Barcamp ist für mich daher immer eine Bereicherung.

Da Rainer, einer der Organisatoren, in der Feedbackrunde explizit nach Feedback in Form eines Blogposts gefragt hat, möchte ich das an dieser Stelle tun. Seine Kernfrage war, ob es das Castlecamp überhaupt noch braucht und wenn ja, ob es in der Form bestehen bleiben soll. Einige der Teilnehmer waren über diese Frage derart überrascht, dass schon von einer Midcamp-Krise die Rede war. Persönlich finde ich es sehr gut, dass Rainer diese Frage gestellt hat und damit das eigene Tun kritisch hinterfragt. Ich halte die Auseinandersetzung mit der Frage für wichtig, den nur so kann man sich verbessern. Dass das Castlecamp seit vielen Jahren stattfindet ist wirklich kein Grund, es auch im kommenden Jahr zu veranstalten. Ein sehr guter Grund ist aber, dass eigentlich alle Teilnehmer die Frage ob es 2014 ein Castlecamp geben soll mit einem lauten „Ja“ beantwortet haben. Viele kommen jedes Jahr und es haben sich berufliche Verbindungen und auch Freundschaften ergeben. Sich zu treffen und eine gute Zeit miteinander zu verbringen spricht auf jeden Fall für das Castlecamp.

Was ich für verbesserungswürdig halte ist die Menge an Sessions, für meinen Geschmack waren zu viele Slots unbelegt. Bei einigen Diskussionen schienen mir die Gruppen zu groß um wirklich auf den Punkt zu kommen. Mehr Sessions könnten zu kleineren Gruppen führen. Auch hatte ich den Eindruck, dass man viel über Datenauswertung, SEO und Online Marketing nachdenkt, aber zu wenig daran, was der Gast wirklich möchte, darüber wie sich ein unvergessliches Ferienerlebnis gestalten und digital unterstützen lässt. Ich finde es zudem interessant mehr Erfahrungen auszutauschen, welche Marketingaktionen haben die Touristiker gemacht, was hat es gebracht und was hat man gelernt. Und ich finde, die Teilnehmer sollten mehr darauf achten, ihre Flaschen und Becher nicht stehen zu lassen, kann ja nicht so schwierig sein ;).

Ich habe auf jeden Fall viele Impulse und Ideen mitgenommen und freue mich, dass es auch 2014 wieder ein Castlecamp geben wird.

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Empfehlen möchte ich euch noch den Rückblick auf das Castlecamp 2013 mit Links zu den verschiedenen Blogbeiträgen sowie die Twitter-Livereportage von Günter Exel (Tag 1 / Tag 2).

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